Germany: 12 Points.

Nachdem ich das geschrieben habe weiß ich auch wieder, warum meine Blogger-Karriere nach spätestens zwei Monaten bisher immer schnell eingeschlafen ist. Es ist einfach mühsam. Nicht nur, nach Formulieren und Worten zu suchen, sondern auch einen roten Faden zu finden und zu verfolgen, passende Links zu finden (was noch der leichteste Teil ist, wenn man noch einigermaßen weiß, was man in letzter Zeit so alles gelesen hat, und vor allem noch weiß, wo) und nach Möglichkeit noch ein buntes Bild einzufügen. Vielleicht sind das ja alles Dinge, die man lernen kann.

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Warum beschwert sich eigentlich niemand darüber, dass der Eurovision Song Contest und insbesondere der Sieg der deutschen Lena Meyer-Landrut nationale Symbole und wohl auch Gefühle in einem Maße anschwellen lässt, die wir sonst nur von sportlichen Großereignisse, insbesondere Fußballweltmeisterschaften kennen? Ich gebe zu, in der Hinsicht mehr als ambivalent zu sein. Mir gehen die (zugegebenermaßen noch) wenigen Deutschland-Fahnen an Autos bereits vor Beginn der Fußball WM gehörig auf den Zeiger. Wenn es dann wieder soweit ist, und die schwarz-rot-goldene Gurkentruppe sich wahrscheinlich irgendwie in die KO-Runde duselt werden allerorts wieder Fahnen geschwenkt werden, man wird auf die angeblich durchgehend heulenden und bei der kleinsten Berührung fallenden Italiener und Portugiesen schimpfen und bei eventuellen Siegen bzw. Niederlagen den Döner-Ständen und der Pizzeria um die Ecke vorwerfen (mindestens) das Essen mit Körperflüssigkeit zu verfeinern. Spätestens, wenn ab dem Viertelfinale beim gemeinsamen Fußballschauen  vor Anpfiff die deutsche Nationalhymne gesungen gebrüllt wird, wird mich dieses altbekannte Unbehagen überkommen und ich werde mich zum hundertsten Male fragen, warum Menschen meinen, auf ihr Land ein zusammengewürfeltes Kollektiv  von Millionären, die in keinster Weiser Deutschland repräsentieren stolz sein zu können. Und auch wenn nach der WM im eigenen Land vor vier Jahren es so oft zu lesen war, wie gut das den Menschen getan habe, endlich stolz sein zu dürfen, ein ‚“Wir-Gefühl“ zu entwickeln und wie positiv wir uns mit dieser Art von Stolz im Ausland präsentiert hätten… Mir wird jedes Mal schlecht.

Genau deswegen werfe ich mir jetzt auch totale Inkonsequenz vor, weil ich dem Eurovision Song Contest (abgesehen von den musikalischen Beiträgen) wenig schlechtes abgewinnen kann. Diese Veranstaltung, die mir eigentlich immer reichlich egal war, war sicherlich auch an den größtenteils albernen, stellenweise auch einfach peinlichen deutschen Vertretern lag, ist mir dieses Jahr doch durchaus sympathisch geworden. Vielleicht bin ich einfach dem Medien-Hype erlegen, dem man zugegebenermaßen auch mit noch so gutem Willen dieses Jahr kaum entgehen konnte, vielleicht habe ich mich von den großartigen Beiträgen des Oslog zu einseitig beeinflußen lassen oder vielleicht fand ich schon im Vorfeld die Kooperation zwischen Pro7 und der ARD mehr als spannend, und war von dem Ergebnis namens Lena Meyer-Landrut und ihrem Song ‚Satellite‘ einfach zu begeistert.

Der Unterschied bei der (nationalen) Identifikation mit den beiden Veranstaltungen Fußball-WM und ESC und ihren jeweiligen Akteuren liegt für mich persönlich aber in der Stimmung, der Atmosphäre. Vielleicht wird das deutlich, wenn man sich mal den harten Kern der ESC-Anhängerschaft anschaut:

(Quelle Bild)

Ich kann da beim besten Willen nichts aggressives, testosteronstrotzendes, übermäßig ehrgeiziges, verbissenes erkennen, so wie man das doch allzu oft aus den Stadien dieser Welt sieht (wofür ich aber auf die Schnelle kein Foto finden konnte, was haben wir in Deutschland eigentlich für ein altertümliches Urheberrecht? Wenn man nicht alles, was man so sieht, selber fotografiert und sich somit die Rechte daran sichert sieht man sehr schnell sehr alt aus). Und das, obwohl auf dem Bild ausschließlich (vermutlich schwule) Männer zu sehen sind.

Und auch die TeilehmerInnen untereinander… Ich hatte das Gefühl, dass es bei diesem Wettbewerb der Komponisten (der es ja eigentlich ist) sehr viel sportlicher zuging, als das bei einer WM jemals sein könnte. Und ich weiß nicht so wirklich, warum das so war. Es ist ja nicht so, dass er so viel weniger prestigeträchtig wäre, zumindest wenn man sich die Fernseh-Quoten ansieht: Ein Marktanteil von 49,1% (bzw. 61,% in der werbe-relevanten Zielgruppe) ist mehr als beachtlich, wenn er auch nicht ganz an die Zahlen wichtiger Länderspiele heran kommt.

Und jetzt weiß ich immer noch nicht, warum mich das Fahnen-Geschwenke und die Deutschland-Rufe im Zusammenhang mit dem ESC nicht auf den Keks gehen. Ich vermute aber, dass das unter anderem auch daran liegt, dass mit der Auftritt von Lena, nachdem klar war, dass sie den Contest gewonnen hatte, jedes Mal ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert.  Vielleicht auch, weil Musik weniger kompetitiv ist, weil Musik-Fans im Vergleich zu Fußball-Fans vielleicht etwas heller sind (das mag gewagt sein, für ganz abwegig halte ich das dennoch nicht) und weil ein Leben ohne Musik undenkbar wäre. Ohne Fußball würde es wohl recht gut gehen.


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Eine Antwort zu “Germany: 12 Points.

  1. ich hatte nicht mitbekommen dass du jetzt tust was du schon lange tun wolltest. gratuliere. und ich werds weiter verfolgen.

    der eintrag spricht mir natürlich aus dem herzen.

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