Unser aller christlich-liberaler Präsident

Christian Wulff also. Nunja. Dass es eine Regierungs-Marionette werden würde war ja irgendwie klar, nach der angeblichen Fehlbesetzung, die Horst Köhler war. Hat man diese Kritik eigentlich gehört, als seine Wiederwahl anstand? Oder wäre er bei solch scharfer Kritik gar kein zweites Mal angetreten? Das Bild, das in Politik und Medien zur Zeit gezeichnet wird versteht doch kein Mensch mehr. Die Einen behaupten, Köhlers Rücktritt sei dünnhäutig, woanders heißt es, die Kritik von Trittin & Co. wäre unverhältnismäßig, beleidigend und mehr gewesen, wieder andere vermuten, fehlender Rückhalt aus der Koalition sei für diesen Schritt verantwortlich.

Wie dem auch sei, eben präsentierten Merkel, Westerwelle und Seehofer also Christian Wulff als (höchstwahrscheinlichen) Nachfolger für Horst Köhler. War die Personalie an sich wenig überraschend und irgendwie auch nichts besonderes, die Begründung hatte es schon in sich.

Wenn der FDP-Vorsitzende von einem Mann mit „klarem inneren Kompass“ spricht, dann weiß man ja schon mal sehr genau, an welchen Werten sich dieser ausrichtet. Davon ausgehend könnte Wulff ein ziemlich, wohlwollend ausgedrückt, überraschender und sprunghafter Präsident werden.

Und wenn zusätzlich Horst Seehofer betont, er sei „erfreut“, dass man als „christlich-liberale Koalition“ zu dieser Entscheidung gekommen sei, ja dann ist doch eigentlich auch schon klar, wessen Präsident das sein wird. Und ebenso, wessen Präsident er nicht sein wird.

„Sie“ hätten ja die Chance gehabt, eine gute Entscheidung zu treffen. Sich überparteilich auf einen Kandidaten zu einigen. Auf jemanden, der in diesem Volk, von dem man jetzt wieder so viel hört, annähernd populär ist, wie Horst Köhler es unumstritten war. Jemand, der eine der großen Aufgaben des Staatsoberhauptes, nämlich eine Identifikationsfigur über Parteigrenzen und -anhänger hinaus  zu sein besser erfüllt als jemand, der nicht nur CDU-Ministerpräsident ist, sondern auch stellvertretender Parteivorsitzender, und damit eigentlich gar nicht noch weniger unabhängig sein könnte.

Es wirkt schon äußerst taktierend, diese Entscheidung. Irgendwie mag man sich ja nicht vorstellen, dass das alles ein abgekartetes Spiel ist, bei dem nicht die Interessen des Landes sondern rein machtpolitisches Kalkül die größte Rolle spielen. Alles andere wäre aber leider wohl zu naiv.

Nachtrag, 20:38 Uhr: Sehr schön auch, wie uns unser angehender Bundespräsident auf seiner Homepage begrüßt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Internetnutzer, […]

Hm, an wen erinnert das nur? Achja. Und was war es doch gleich, das laut man CDU und FDP in den letzten Tagen gar nicht hätte sagen dürfen? Achja. Den Bundespräsidenten mit Heinrich Lübke vergleichen.


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Eine Antwort zu “Unser aller christlich-liberaler Präsident

  1. Am besten finde ich ja, dass man sich problemlos auf Gauck einigen könnte, die FDP scheint sich ja beispielsweise durchaus besser mit ihm als dem niedersächsischen Biedermann anfreunden zu können. Aber das macht man ja nicht. Aber solange die Linke nicht mal aufhört Theater zu machen geht da ja eh nix!

    Ach ja, bin auch immer noch auf deinem Blog und vielleicht mal aktiver in deinen Kommentaren unterwegs. Muss mir dass dann später mal an was weniger mobilem genauer anschauen hier…

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