Es wird geschmeichelt

Flattr also ist dieses neue, wahrscheinlich auch irgendwie sehr web 2.0-mäßige Etwas, das derzeit einigermaßen Schlagzeilen macht, zumindest dort, wo solche Sachen eben nochschon Schlagzeilen machen können.

Worum es geht, ist schnell erklärt: Flattr ist ein  Micropayment-Dienst. Wer sich dort anmeldet (was momentan nur auf Einladung geht, da es sich in einer closed-beta-Phase befindet), hat die Möglichkeit, Geld auf sein Konto dort zu laden. Dieses Geld wird auf pfiffige Art und Weise verteilt und zwar an Betreiber von Blogs und sonstigen ernsthaften Seiten. Auf ihnen finden am Ende von Einträgen/Artikeln Buttons, die man als flattr-Benutzer anklicken kann und damit anzeigt, dass vorstehender Inhalt für mich als Leser in welcher Art auch immer wertvoll war, und ich bereit bin, dafür Geld zu zahlen. Die Höhe des Betrags wird am Monatsende ermittelt. Die Summe meiner Klicks dient als Divisor für ein monatliches Budget (2€, 5€ oder 10€), und ich halte einen Durchschnittswert, der mir anzeigt, wie viel jeder einzele Klick ‚wert‘ ist (dieser Durchschnitt scheint momentan bei ca. 0,15€ zu liegen. Wirklich aussagekräftig ist das aber bisher noch nicht, da die Abrechnung für den Monat Mai die erste war). Mein ursprüngliches Budget wird darauf an die von mit geflatterten Blogs (usw.) anteilig aufgeteilt, wobei im Moment noch 10% des Betrags als Provision bei flattr selber bleiben.

Es ist nicht der erste Versuch, ein solches System zu etablieren, einiges deutet aber darauf hin, dass flattr dauerhafter Erfolg haben könnte als seine Vorgänger: Mit-initiiert wurde flattr von Peter Sunde, der nicht etwa irgendein Schwede ist, sondern auch der Co-Gründer von ThePirateBay.org, einem der größten und populärsten BitTorrent-Tracker der Welt. Der Mann hat also zumindest annähernd Ahnung von dem, was in diesem Internet so möglich ist. Was aber ebenfalls für flattr spricht, ist seine rasche Ausbreitung. Nicht nur auf größeren (vor allem deutschsprachigen) Blogs, darunter der lawblog, spreeblick.com und coffeeandtv.de finden sie die orang-grünen Buttons immer mehr, nein, der größte Erfolg, die meiste Reichweite dürfte wohl die flattr-Implementierung auf dem Online-Auftritt der Berliner taz sein. Auch dort ist man von den ersten Ergebnissen durchaus erfreut, und man darf gespannt sein, wie sich die Nutzerzahlen, und damit auch die am Ende umgesetzten Beträge mit der Zeit wachsen werden. In den nächsten Wochen ist laut Interview mit Peter Stunde auf netzpolitik.org mit der Veröffentlichung einer nicht-beta-Version zu rechnen.

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Ich finde den Ansatz  flattr aus zwei Gründen interessant:

Er widerspricht massiv der so oft mantra-artig wiederholten These, es gäbe im Internet eine ‚Generation Kostenlos‘, die sich nicht bewusst ist, dass auch das nicht gedruckte Wort/Bild seinen Wert hat. Wie oft wurde erklärt, dass das Internet das Ende des etablierten Journalismus sei, und welch vehementen Manifeste wurden dagegen gesetzt…

Es gibt keine Generation Kostenlos. Es gibt eine junge Generation von Menschen, die sehr genau weiß, dass Qualität ihren Preis hat, und die gerne bereit sind, für Qualität zu zahlen. Genau das beweist flattr. Die Zeiten, in denen ein Chefredakteur festlegen konnte, welche Artikel, und seien sie noch so schlecht, ich mit dem Kauf meiner Tageszeitung erwerbe, sind, Gott sei Dank, vorbei. Es mag ja sein, dass Paid-Content die Zukunft ist, um deutsche Redaktionen vor ihrem Untergang zu retten. Es kann aber nicht die Lösung sein, pauschal ein großes Schloss vor den eigenen Inhalt zu setzen, das nur gegen Bezahlung geöffnet wird, so wie das das Hamburger Abendblatt mit allen Artikeln über „Hamburg und den Norden“ gemacht hat (Ironischerweise kann man deren Seite problemlos kostenfrei nutzen, wenn man sie über Google aufruft. Weil gefunden werden sollen die kostenpflichtigen Artikel ja bitteschön dennoch).

Ich  möchte wissen, wofür ich bezahle, und ich möchte nicht für Mist bezahlen. Qualität hat sich immer meistens durchgesetzt, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

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(Sieht eigentlich noch jemand in flattr eine nette Analogie zu iTunes, was die Möglichkeit angeht, einzelne Teile eines Ganzen zu kaufen, anstatt das überteuerte Gesamtwerk, das einem nicht gefällt, mit zu erwerben?)


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