Gerade gesehen 2

Heute: Nahost-Politik mit den tagesthemen.

Die – mindestens – fragwürdigen Aktionen der israelischen Armee in den letzten Tagen werden ja ausführlich überall durchgekaut, meistens auch mit einer gehörigen Portion Skepsis, ob der Verhältnis- und auch der Rechtmäßigkeit. Umso erstaunlicher eigentlich, dass ausgerechnet die tagesthemen von gestern Abend da ganz andere Töne anschlugen. Zum Thema ‚Gaza-Blockade‚ lässt man da die israelische Position von Journalist und (anscheinendem) Militär-Experten Alon Ben David vertreten. Und der hat Interessantes zu berichten:

Screenshot: ARD

Screenshot: ARD

Was wäre die Alternative? Wir würden dann schnell Waffen dort finden wie Boden-Boden-Raketen, Flugzeug-Abwehr-Raketen, Anti-Schiffs-Raketen. Also all das, was die Hisbollah-Miliz im Libanon auf uns gerichtet hat. Dieselbe Situation in Gaza, das ist nicht akzeptabel.

Welch bequeme Argumentation. Kein Wort davon, dass die zuletzt aufgehaltenen Konvois in erster Linie dringend benötigtes Baumaterial geladen hatten, um den Zivilisten, die seit weit mehr als einem Jahr in vollkommen zerbombten Straßenzügen leben, wenigstens den Ansatz einer Möglichkeit zu geben, wieder ein kleines bisschen Lebens-Wert zurück zu geben. Natürlich birgt die Auflockerung der Blockade Risiken für Israel, gerade was den Schmuggel von Waffen angeht. Ob die aber ausgerechnet aus Ländern wie der Türkei oder Irland kommen, wenn doch die größten Verbündeten der Palästinenser eigentlich im direkten Umland zu finden sind…

Zugegeben, das mag alles noch vertretbar sein, und Argumente lassen sich für beide Seiten finden. Dann aber wird es abwegig:

Die Türkei ist heute doch der entscheidende Faktor in der Achse der Radikalen. In den letzten Jahren sprach man immer von zwei Achsen im Nahen Osten: Die moderate und die radikale. Von den Moderaten scheint mir nicht mehr viel übrig. Die radikale Achse dominiert heute. Das sind der Iran, die Türkei, Syrien, die Hisbollah im Libanon und die Hamas.

Hurra, wie haben eine neue Achse des Bösen! Die alte ist ja auch allmählich total überholt.

Aber dann schauen wir mal.

Der Iran: Bestreitet unter Ahmadinedschad vehement und lautstark das Existenzrecht Israels, umstrittenes Atomprogramm, usw, alles bekannt.

Syrien: Experimentier(t)en wohl auch mit Atomanlagen, wurden daher von der israelischen Luftwaffe angegriffen. Syrien und Israel befinden sich offziell seit 1948 im Kriegszustand, seit dem Gaza-Krieg 2008 wurden die Friedensgespräche ausgesetzt.

Libanon/Hisbollah: Libanonkrieg 2006, mehrere Tausend Verletzte und viele hundert Tote auf beiden Seiten.

Hamas: Sieht für Israel ebenso kein Recht auf Existenz, Holocaust-Leugnung ist auch nicht ganz unpopulär in deren Kreisen, ganz seriöser Verein

Bleibt die Türkei: Nicht nur, dass sie über kurz oder lang dann doch in die EU aufgenommen werden wird, die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel gelten seit Gründung Israels als eng (u.a. war die Türkei der erste mehrheitlich muslimische Staat, der Israel offiziell anerkannte). Beim Entern eines Hilfskonvois wurde vor wenigen Tagen neun türkische Zivilisten von israelischen Spezialkräften getötet.

Es ist ganz klar, dass die Türkei der „entscheidende Faktor der radikalen Achse“ ist.

Genauso klar ist auch, dass es nicht nur Israel an in dieser speziellen Situation an Verhältnismäßigkeit  mangelte s sondern auch den tagesthemen.


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