Schon GEZürnt?

Was ist das eigentlich für ein bizarres Rumgehacke auf der Reform der Rundfunkgebühren, die gestern von der Rundfunkkommission verabschiedet wurde?

Liest man erst die Kommentare zu dieser Entscheidung, muss man meinen, die Welt gehe unter. „Staatlich sanktionierter Raub“, und so.

Ich finde das ja schon ulkig. Von Springer- und RTL-II-Jüngern hätte ich mir ja auch nichts erwartet, was irgendwie auch nur ein bisschen reflektierter wäre, aber was man da selbst in gediegeneren Kreisen und Blättern liest stimmt mich schon irgendwie mehr als nachdenklich.

Erstmal hat sich doch nichts geändert. Jeder Haushalt muss zahlen. Oder behauptet tatsächlich noch jemand, dass es (eine relevante Menge an) Haushalte gibt, in denen es keinen PC, keinen Fernseher und kein Radio gibt? Das nehme ich schlicht und einfach niemandem ab.

Was sich geändert hat, ist, dass nun eben eine Pauschale pro Haushalt gezahlt wird, keine Abgabe pro Gerät. Ist das nicht eigentlich ein riesiger Fortschritt, was Gerechtigkeit angeht?

Offensichtlich sind doch viele einfach nur froh, dass die GEZ mal wieder Schlagzeilen macht, womit ist egal, aber im Zweifel kann man immer gut draufhauen, so genau versteht ja eh niemand, warum wir das überhaupt zahlen müssen. Staatsfernsehen und so. Ja sind wir denn in ItalienChina?

Ich find die GEZ nicht toll. Ich finde es nicht toll, das zwielichtige Gestalten an meiner Türe klingeln, und ich – auch wenn ich im Recht bin – mir hinterher spionieren lassen muss von Leuten, die den besten Wachturm-Verkäufern und Drückerkolonnen Konkurrenz machen.Ich finde es fragwürdig, dass die GEZ mit den Gebühren Werbung für sich selbst macht, und über das vor nicht allzu lange Zeit eingeführte Forum und dessen „Moderation“ kann man nur den Kopf schütteln.

Es mag ja sein, dass die Gebühren von Anfang an keine sonderlich gute Idee waren, und man eine andere Lösung hätte finden können/müssen.

Wenn ich mir aber vorstelle, was eine Abschaffung der GEZ-Gebühr für die deutsche Medienlandschaft bedeuten würde, schüttelts mich.

Niemand zahlt gerne 18€ im Monat. Aber wenn die Alternative dazu eine Zukunft ohne tagesthemen ist, ohne Tatort, ohne Bundestagsdebatten, ohne arte, ohne Sportschau, ohne Nachrichten, die von Konzernen gekauft sind(ok, hier kommen die Öffentlich-Rechtlichen auch nicht ganz ohne blaues Auge davon), oder die eigentlich eh zu teuer sind… Ich mag keine Zoo-Serien, und Telenovelas statt Bundestag sind ebenso überflüssig, im Gegensatz zu den Scripted-Reality-Shows der Privaten oder deren unsäglichen Shows, in denen vollkommen überzeichneten Stereotypen das Leben (angeblich) besser gemacht wird, sind sie wenigstens nicht gefährlich.
Und wer sich mal die Zeit nimmt, und eine Woche lang zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten auf ARD, ZDF, den Dritten sowie Phoenix und arte herumzappt, sich deren Dokus und Produktionen ansieht, wird recht schnell feststellen, dass diese  60 Cent am Tag durchaus gut angelegtes Geld ist.
Nachtrag 19:30 Uhr: Fefe stößt in ein anderes, aber noch viel sinnvolleres Horn: Die GEZ-Gebühr als Kultur-Flatrate und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten auf einer Stufe mit Opern, Bibliotheken und Theatern: Von den Wenigsten genutzt, von der Allgemeinheit finanziert. Zu recht.
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